Rennbericht "Race Around Austria"

Nach 720 km Aufgabe beim „Race Around Austria“ (RAA)

Es war eine sehr gute Stimmung vom Start weg. Bei den Veranstaltern, bei den Rennfahrern, bei mir und meinem Team. Die Sonne lachte vom Himmel, Temperatur perfekt, warm, aber keine Hitze. Wind mäßig. Alles war für eine Rekordfahrt angerichtet.
Mein Plan war es, relativ locker zu fahren, bis zum Großglockner am dritten Tag, und ab da erst aufs Klassement zu schauen. Doch es sollte anders kommen.
Vom Start weg in St. Georgen im Attergau war Team A mit Petra, Roger und Tobi im Betreuerfahrzeug (Pace-Car). Nach dem üblichen Stau in Straßwalchen wurde ich vorübergehend vom Fotografen Fritz betreut. Das Pace-Car konnte erst bei Pischelsdorf wieder zu mir aufschließen.
Wie zu erwarten haben die "jungen Wilden" von Anfang an eine höhere Schlagzahl gewählt. So war ich gesamt auf Platz 7. Bis nach Schärding fuhr ich nur locker, um mich dann bei den ersten Anstiegen doch auch einmal etwas anstrengen zu müssen. Bei Esternberg war dann Team B mit Nici, Thomas und Patrick im Pace-Car an der Arbeit. Team A sollte sich für die Nachtschicht etwas ausruhen.
Von der Donau rauf bis Ulrichsberg musste ich meine erste Schwächphase überstehen. Durchs Mühlviertel bis Sandl habe ich mich dann wieder erfangen können. Hier war bei den Betreuern wieder Schichtwechsel. Das passte gut mit Anziehen für die doch "frische" Nacht zusammen. Ab da konnte ich wieder mit einer guten Phase nach Herzenlust durch die 1. Nacht fahren. Besonders die vielen Abfahrten hatten es mir angetan. Mit der zusätzlichen Stirnlampe war die Sicht perfekt, auch wenn ich bei den Kurven immer wieder aus dem Lichtkegel des Pace-Car rausfuhr. Die vielen Anstiege waren zwar mühsam, aber ich versuchte sie weiterhin locker zu absolvieren - das Rennen beginnt erst mit dem Großglockner so richtig. Das Waldviertel passierte ich somit an 7. Stelle - das war weiter vorn als erwartet. Gegen Ende der Nacht, am Beginn des Weinviertels begann aber mein linkes Knie zu schmerzen, somit reduzierte ich den Speed. Auch ein Power-Nap verschaffte Linderung. Doch die Schmerzen kamen wieder. Kein Schmerzmittel half, Tapes halfen nicht, die Arbeit meiner Physios half nur kurzfristig. Mein Betreuerteam wechselte wieder. Zeit zum Ausruhen für Team A. Team B kam hinters Steuer, ans Route-Book, zum Getränke mixen und physiotherapieren. Das half aber alles nichts. Meine Geschwindigkeit nahm immer mehr ab. In dieser frühen Rennphase waren diese Probleme in dieser Intensität bei mir außergewöhnlich. Die Donaubrücke bei Hainburg erreichte ich nur mehr "am Zahnfleisch". Direkt nach dem minimalen Anstieg von der Brücke hinauf nach Bad Deutsch-Altenburg (vor 2 Wochen zum neuen österreichischen "Hot Spot" mit 40,5 Grad Celsius gekürt) musste eine längere Pause mit eingehender Behandlung her. Ich konnte mit dem linken Bein keinerlei Druck mehr aufs Pedal bringen. Über eine Stunde Pause und Arbeit der Physios. Färbig getapt ging es dann bis in die Gegend von Mattersburg, bis die nächste Pause unbedingt sein musste. Die nächste Fahrtstrecke brachte mich nur mehr bis nach Oberpullendorf. Die Schmerzen gewannen wieder die Oberhand. 15 Minuten Behandlung und Positionswechsel am Rad brachten nur weitere 15 Minuten Fahrtzeit. Ich rief das komplette Team zur Krisensitzung zusammen. Das Ergebnis stand aber schon fest:
Schweren Herzens machte ich nach 720 km nach einem Tag beim Race Around Austria wegen Knieproblemen den Schlusstrich. Das Verhältnis von Behandlung zu Fahrtzeit wurde immer negativer, Linderung war nicht in Sicht, somit war ein Rennen nicht mehr möglich. Die anstehenden Berge waren so nicht fahrbar.
"Der Schmerz vergeht, der Stolz bleibt" einer bis dahin tollen Teamleistung. Denn, obwohl die Knieprobleme schon die letzten 200 km bestanden, waren wir immer noch chancenreich auf Platz 9. Nur, es war keine Aussicht auf Verbesserung des linken Knies. Eine bleibende Schädigung des Knies wurde durch die Aufgabe vermieden.
Danke an das komplette Team, das nach dem "Ice Age"-Prinzip bestens agierte: "So macht man das in einer Herde".

Natürlich kenne ich Österreich schon sehr gut, aber immer wieder habe ich schöne neue Einblicke gewinnen können. Schade, gerne hätte ich das l(i)ebenswerte Land bei diesem Rennen weiter erkundet.

Von den 22 genannten Einzelfahrern (19 sind gestartet) erreichten 10 das Ziel. Es siegte der Favorit Joachim Ladler in neuer Rekordzeit vor Severin Zotter. Gratulation an alle die das Rennen durchfahren konnten!

Mit so einem Team macht Ultracycling Spaß
Danke !
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Sieg auch in Österreich bei Extremradrennen
Sieg bei der Silberreiher-Trophy, 946km in 24 Stunden