Baloh und Fasching gehören zur obersten Liga der Extremausdauersportler
verfolgt von Baloh und Fasching, (c)Franz Baldauf

Sieg bei der "Silberreiher-Trophy", 24Stunden-Radrennen mit rund 1.000km und 40km/h 2001

Ich hätte es vorher selber nicht für möglich gehalten: den Sieg schon, aber nicht mit 949km. Auf 24-Stunden sind es genau genommen 946km, weil die letzte Zieleinlauf-Zeit 24Stunden und 5Minuten war. Zweiter wurde der Slowene Marko Baloh (912km) vor dem Deutschen Reinhard Schröder (839km). Wolfgang Fasching musste sich dieses mal mit 550km begnügen.

Wäre es möglich gewesen den Weltrekord von 985km zu packen? Nein (war auch kein Ziel von mir), denn es war zu windig, zuviel Regen (gefährliche Kurven) und ich hatte keine Mannschaft (keine Pacemaker). Obwohl ich mich natürlich des Windschattens der schnellen Staffelfahrer "bediente". Es ist ein offenes Geheimnis, dass bei einem Massenstart mit Staffelfahrern die Chance darin besteht deren Windschatten zu nutzen - nur wer hält das 24 Stunden durch? Die 4 Staffelfahrer wechseln jede Runde (35km), sind richtig angezogen, voll verpflegt, massiert, mit montiertem Licht, ausgeschlafen... - und fahren eine Runde am Anschlag. Als 24-Stunden-Radler hast du keinerlei Pause oder du musst auf die nächste (natürlich langsamere) Staffel warten, oder selbst gegen den Wind ankämpfen - nur so fährt man keine 40km/h über so lange Zeit.
Das heißt, alles muss am Rad passieren: Umziehen (Nacht-Tag, Regen - Trocken), essen und trinken sowieso, dehnen, pinkeln, Licht montieren (x-mal wechseln), schlafen? - und das bei ziehmlich konstant 40km/h - keine 5 Sekunden Pause - sonst ist man weg.

Rennverlauf:
Hektische Anfangsrunden, 40 24-Stunden-Einzelfahrer drängeln sich in einem großen Feld um die 20 Staffelfahrer. Nach rund 60km holen wir die schnellsten vor uns gestarten 12-Stunden-Einzelfahrer ein, andere Fahrer sind schon "abgerissen", somit sind 80 Radler im großen Feld. Nach 100km beginnt sich die Spreu vom Weizen zu trennen, nach der 10km langen Windkante von Illmitz nach Podersdorf (nicht umsonst der Ort der Kite-Surf-WM) sind nur mehr sechs 24er, drei 12er und rund 15 Staffelfahrer in der Spitzengruppe. Bisher wurden die Runden mit 40-45 km/h absolviert, plötzlich herrscht jedoch Uneinigkeit bei den Staffelfahrern und das Tempo stagniert. Marko Baloh, Mario Sztosics und ich attackieren aus diesem Feld, etwas was
grundsätzlich völlig irrig ist, weil wir alles Einzelfahrer sind und nun selbst gegen den immer stärker werdenden Wind ankämpfen müssen. Unser Ziel ist es, dass sich die Situation klärt, d.h. nachdem sich die Spitzengruppe nicht mehr einig war, sollten nun die stärksten Staffelfahrer auch attackieren und zu uns aufschließen ohne dass andere Einzelfahrer mitfahren können. Glücklicherweise passiert genau das: nach 70 harten Kilometern schließen die zwei stärksten Staffelfahrer zu uns auf. Sztosics ist 12-Stunden-Fahrer und beteiligt sich auch weiter an der Führungsarbeit, wir 24er, Baloh und ich, tun dies ab nun nur mehr im Notfall. Sztosics beendet um 20 Uhr sein Rennen als Sieger des 12-Stunden Rennens. Immer wieder fahren überrundete Fahrer in der Gruppe mit und fallen wieder ab, es ist immer etwas los. Um 21 Uhr muss Baloh vom Rad, eine kleine Schwächephase nutzt er auch zur Lichtmontage am Rad. Ich kämpfe zwar ständig, kann aber immer "das Hinterrad halten" und habe auch ein Lichtsystem das mir die Montage während der Fahrt erlaubt.

 

Meine Betreuer Christiane Unterberger und Brigitte Puttinger reichen mir bei jeder Rundendurchfahrt das Richtige (Essen, Trinken, Kleidung, Licht). Wir kommunizieren fallweise via Handy. Aber jedenfalls, Baloh ist weg. Wenn ich es nun schaffe die restlichen (eh nur mehr) 13 Stunden dran zu bleiben, 40km/h zu halten, keinen Tritt auszulassen... - dann kann ich gewinnen. Baloh hat sich erholt und bei einer hinteren Staffel eingeklinkt. Der Abstand wechselt, wird aber langsam größer. Um Mittenacht ist bei mir der Ofen völlig aus. Ich halte den Stress (immer dran bleiben müssen) nicht mehr aus, nach 14 Stunden im Sattel bin ich doch auch schon müde. Ich bin zwar 30Min. vor Baloh, aber wenn man leer ist hilft das gar nichts. Dann stell ich mir diese große Trophae vor: ein 1 1/2 Meter hoher, aus Stahl geschnittener Silberreiher auf Granitsockel. Als ich ihn am Vorabend sah hat er mir gleich gefallen und ich wollte ihn meiner Frau als Gartenskulptur mitbringen. Ich entschließe, wieder mehr zu trinken, zu essen, auch wenn jetzt wieder die stärksten Fahrer der Staffel drankommen und wir mit 42km/h durch die Nacht düsen. Die nächste Staffelbesetzung ist dann wieder zum "ausrasten", 35km mit 38km/h....
Bis 3 Uhr früh fahr ich in einem Dämmerzustand ("nur nicht zuviel denken, einfach nur radeln") - dann ist es soweit - ich überrunde als letzten aller Fahrer auch Baloh. Jetzt ist es eine völlig andere Ausgangssituation: ich muss nicht mehr unbedingt die schnellste Staffel halten sondern nur mehr ihn. Von der Last befreit gelingt mir ersteres aber um vieles leichter. Auch wenn es ab 4 Uhr früh fast durchgehend regnet. Ich komme ohne Defekt und Sturz durch, da gehört auch Glück dazu. Oder ist es doch nur das Glück des Tüchtigen? In den glitschigen Kurven gab es einige Stürze, auch mein Hinterrad wollte einmal das vordere überholen.
Hatte ich um Mitternacht noch jede einzelne mühsame Minute heruntergezählt, so verflogen jetzt die Stunden geradezu bis zum Zieleinlauf um 10Uhr, nach 24 Stunden und 5 Minuten. Nach meinem RAAM 99 und Vize-Weltmeister 2000 ist ein weiterer sportlicher Traum wahr geworden: eine außergewöhnliche Leistung im Heimatland zu erbringen. Mit der selben Kilometerzahl wie die schnellste Vierer-Staffel erreiche ich gemeinsam mit Marko Baloh (zwar eine Runde Rückstand, aber ein großartiger Sportsmann, den Namen sollte man sich merken) das Ziel. Dreckig bin ich wie der Sieger nach Paris-Roubaix.

Übrigens:
* Im Garten steht nur ein kleiner Silberreiher aus Stahl, die große Skulptur ist zu wertvoll und steht deswegen im Wohnzimmer.
* Gonso-Bekleidung (richtig bei warm-kalt, trocken-nass), Simplon-Rad (schnell+zuverlässig), Enervit-Ernährung (energiereich+bekömmlich), Vita-Club (Training+Regeneration).
* Das einzige was am Tag danach an die große Belastung erinnert ist mein verspannter Nacken, sonst alles okay.

Dazu ein Bericht vom ORF

(1.6.2003) Sieg bei Silberreiher-Trophy im Team
Im Rahmen des größten Extrem-Radausdauer-Events in Österreich, der "Silberreiher-Trophy", konnte unser Mixed-Team "2winners+2wifes" (Marko und Irma Baloh, Brigitte Puttinger anstatt meiner Christiane, und ich) den 12-Stunden-Bewerb in Form einer Staffel gewinnen.
Den Löwenanteil hatte Marko Baloh, der in 3 Wochen beim Race Across America startet, und das als letzten speziellen Vorbereitungsschritt ansah. Den ganzen Tag über war es meine Aufgabe ihn immer wieder punktuell zu unterstützen (Windschatten, Verpflegung, Informationen).
Meine Stunde hat plötzlich geschlagen, als Marko sich bei einem Unfall mit einem rücksichtslosen Autofahrer leicht verletzte, er aber jedenfalls Radmaterial wechseln mußte. Die Verantwortung lag nun bei mir.
Mir ging es überraschend gut. Denn obwohl ich überhaupt nicht am Rad trainiert hatte, schien sich der Körper sehr schnell an die Belastungen und Anforderungen zu "erinnern". Ich konnte das hohe Niveau von Marko halten.
So mußten die beiden Frauen im Team erst gar nicht eingreifen. Wir konnten mit 475km in 12 Stunden tolle 40km/h fahren. Die letzten Kilometer fuhren wir gemeinsam, in einen genialen Sonnenuntergang hinein.
Da wir in der Mixed-Klasse konkurrenzlos waren, siegten wir "sicherheitshalber" sogar in der allgemeinen Klasse und ließen dabei
alle reinen Männer-Teams hinter uns.

Die Königsdisziplin, den 24-Stunden-Einzelbewerb gewann übrigens der Slowene Jure Robic mit 910km.
Damit ist er nach mir (2001 mit 949km) und Marko Baloh (2002 mit 907km) der dritte "Silberreiher-Trophy-Man". Auch Robic startet in 3 Wochen beim Race Across America.

mit Marko Baloh, dem Sir unter den Extram-Radlern
Silberreiher-Trophy

Sieg im Team mit Brigitte Puttinger, und Irma und Marko Baloh

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Sieg auch in Österreich bei Extremradrennen
Sieg bei der Silberreiher-Trophy, 946km in 24 Stunden