Rekord TransAustria Bericht

Der Rekord ist wieder mein!

 

• 16.4.2016 Herbert Meneweger: 12 Stunden 51 Minuten nonstop
(vormals gehalten von Severin Zotter (33, RAAM-Sieger 2015): 13:11, aufgestellt 2015)

  

 • Meine Werte: 402 km, 4.251 Höhenmeter, Durchschnittsgeschwindigkeit 31,31 km/h, Kalorienverbrauch lt. Garmin 16.541 Kilokalorien

 

• Vom südlichsten Grenzübergang, bis zum nördlichsten, auf Asphaltstraßen. D.h. vom Seebergsattel bei Vellach/Eisenkappel Grenzübergang zu Slowenien, bis Grametten/Reingers Grenzübergang zu Neu Bistritz (Tschechien)

 

Das Ziel ist erreicht. Nachdem ich 2014 erstmals den Rekord aufgestellt hatte wurde dieser letztes Jahr von Severin Zotter deutlich unterboten. Somit war mir die Rekordmarke für die +50-Klasse geblieben, doch im Sinne von Golden Performer war es mir sehr wichtig den Rekord in der allgemeinen Klasse zurückzuholen.
Ich hatte zwar auch so meine schwierigen Begleitumstände, aber in Summe hatte ich sicher bessere Wetterbedingungen als Sevi. Dass ich aber um gleich 20 Minuten schneller sein würde, hatte ich vorher nicht für möglich gehalten, und das macht mich wegen meiner erbrachten Leistung sehr stolz.

 

Meine Crew hat mich bestens unterstützt (Crewchef: Thomas Meneweger, Kamera: Dominik Grüner). UMCA-Official Daniela Wurhofer fand keinen Grund zur Beanstandung. Vielen Dank!

 

Auf http://www.ultracycling.com/sections/records/stats/cross-country/ wird in den nächsten Wochen der Rekord auch von UMCA-Seite veröffentlicht werden.

 

Von Rekordlust und „rosa Luft“

What happend:

 

Um 6:35 Uhr sind wir bei Sonnenaufgang am Seebergsattel gestartet. Der Wind kommt aus Süden, aber sehr böig, er ist einmal da und einmal nicht da. Somit habe ich bei der Abfahrt in den Serpentinen gleich drei Mal akute Sturzgefahr, denn meine 5-Speichen-Zeitfahrlaufräder reagieren natürlich sehr stark auf Seitenwind. Damit ist mir – zumindest mit dem Zeitfahrrad – die Schneid schon mal abgekauft. Am Talboden angelangt Richtung Eisenkappel hätte ich gerne diesen Rückenwind gehabt, allerdings ist nicht mehr viel davon da – der pfeift offenbar oben drüber hinweg.

 

Doch ich komme nun ab Kühnsdorf sehr gut in den Rhythmus, schönes Wetter, leichter Südwind, gute Form – man könnte schon von „flow“ reden. Am Griffener Berg kommt mir eine Radlertruppe mit Jacob Zurl entgegen – die müssen auch schon früh von Graz aus aufgebrochen sein.
Wolfsberg läßt mich zwar drei Mal wegen roter Ampeln stoppen, aber da ich mir schon einen kleinen Vorsprung auf die nötige Marschtabelle zum Rekord erarbeitet habe, bereitete mir das keinen Stress. Allerdings mache ich einen folgenschweren Fehler: wegen der warmen Temperaturen ziehe ich meine Knielinge aus. Somit sind die Knie ungeschützt als das Tal nach Wolfsberg wieder enger wird, der warme Südwind verschwindet und es durch Schatten deutlich kälter wird. Wenn jede Sekunde zählt, dann gibt’s aber auch kein Stehenbleiben und Anziehen – wegen so einer Kleinigkeit. Ab Bad Sankt Leonhard ist es über den Obdacher Sattel dann eh wieder warm, mit dem Wind auf meiner Seite.
Die paar langgezogenen Kurven bei der Abfahrt sind zwar irgendwie ein Genuss, aber wiederum brandgefährlich ob der Seitenwindböen.

 

Im Murtal ist`s dann passiert. Plötzlich ein stechender Schmerz – Innenseite linkes Knie. Ich denke noch, das ist nur ein „Stellungsfehler“ vom Knie oder so. Aber wie ich das Knie beim Treten auch drehe und wende, der Schmerz ist unveränderlich ungut. Offenbar hatte ich es mir vorher im Lavanttal „verkühlt“.
Zum Glück habe ich hier anhaltend guten Wind, und kann mich somit mit Schnellfahren gut ablenken. Beim Ortsschild Kraubath weist eine Fototafel auf Christoph Strasser, als 3-facher RAAM-Sieger und Ultra-Weltrekordler bedeutender Spross dieser Gemeinde, hin. Meine Crew macht dort die passenden Fotos und stellt sie gleich auf Facebook- wie es sich heutzutage gehört. Dadurch verpasst sie leider mein Treffen mit eben diesem Christoph Strasser wenige Kilometer weiter. Danke "Straps"! Mit seinen Anfeuerungen ausgestattet begebe ich mich nach kurzer Zeit wieder alleine motiviert auf den weiteren Weg Richtung Präbichl. Doch da fällt mir mein schmerzendes Knie wieder so richtig ein. Wie soll ich damit über diesen Berg kommen, bis 10% steil?

 

Ich besinne mich der osteopathischen Methode mit der „rosa Luft“ die mir schon öfter über solche Krisen hinweggeholfen hat. Ich konzentriere mich darauf "rosa Luft" einzuatmen, und sie im Körper direkt an die schmerzende Stelle zu leiten, um sie damit zu lockern und zu heilen. Nach ein paar Minuten tritt tatsächlich Besserung ein, und ich beginne wieder mehr Druck zu geben – es funktioniert. Wenn es noch ärger werden sollte, weiß ich, dass ich zur Not auch „gelbe und grüne Luft“ zur Verfügung hätte, aber vorerst reicht es.

 

In Vordernberg, also tatsächlich sprichwörtlich „vor dem Berg“, wechsle ich erstmals auf die 6,9 kg leichte Bergmaschine, die ich auch bei der Abfahrt vom Präbichl verwende damit ich mich weniger vor den Seitenwindböen fürchten muss. Mittlerweile habe ich 180 km in den Beinen, und wundere mich schon fast, dass ich kräftemäßig null Verschleiß verspüre. Den Vorsprung auf die Marschtabelle konnte ich auch weiter ausbauen. Das Motto lautet weiterhin: Spaß haben, fokussiert und konzentriert bleiben. Meine Crew hilft mir stets dabei. Wenn nur das Knie nicht wär. Meiner Crew habe ich noch nichts davon gesagt. Die können auch nichts machen. Mitleid brächte mich nicht weiter. Für eine Behandlung fehlt die Zeit, das könnte ich nie wieder aufholen. Also muss beim ständigen rauf und runter im Ennstal die rosa Luft wieder herhalten. Und so komme ich zumindest gut auf Zug von Weyer bis hinüber nach Waidhofen ins Ybbstal.

 

250 km sind absolviert, aber jetzt wird’s ganz hart – voller Gegenwind. Obwohl ich mich doch bis zur Donau noch etwas schonen wollte um die folgenden Anstiege im Mühl- und Waldviertel gut durchziehen zu können. Daraus wird nichts. Ich muss all meine Kraft aufwenden, mich gegen den Wind stemmen – jetzt wieder mit Zeitfahrrad –, und so schaffe ich es von meinem Vorsprung trotz zweier roter Ampeln bis Grein an der Donau nur ganz wenig zu verlieren. Dieses Sicherheitspolster vor diesen letzten schweren 100 Kilometern war mir sehr wichtig.
Mit dem leichten Bergrad, rosa Luft und super Motivation kann ich in den Bergen einen überraschend guten Zug fahren.
Eine kleine Anekdote dazu: Im Anstieg vor Diembach überhole ich zwei Hobbyradler, wobei der eine gleich anerkennend anmerkt: „Aha, ein ganz ein Schneller“. Mir rutscht dann spontan nicht nur das übliche „Griass eich“, sondern auch „na ja, ich bin halt schon besser aufgewärmt, bin schon länger am Weg“ heraus. Schade, dass eine weitere Kommunikation aufgrund des schnell wachsenden Abstands nicht möglich ist. Hätte gerne ihre Gesichter gesehen, wenn ich auf deren Frage damit rausgerückt wäre, dass es bisher 300 km waren, und noch schlappe 100 folgen.

Jedenfalls scheint man mir keinen Verschleiß anzusehen, ich fühle mich auch gut, auch wenn ich kräftig rosa Luft aus dem Mühlviertel absauge – die Einheimischen mögen es mir verzeihen.

 

Am höchsten Punkt bei Kleinpertenschlag ist mein Vorsprung immer noch sehr gut, aber ich muss in mich gehen, ob ich dem Knie das noch weiter antun kann. Schließlich will ich heuer noch mehrere Rennen gut fahren.

Ich komme zum Schluss, dass es sich auszahlt wenn ich sonst nicht einbreche. Mit dem Vorsprung in der Marschtabelle habe ich einfach das psychologische Momentum auf meiner Seite. Und ich bin mir sicher, dass das Knie keinen bleibenden Schaden abbekommen wird. Dafür ist mein Körper zu gut trainiert. Außerdem steht mein Team voll hinter mir, das ist Unterstützung und Verpflichtung gleichermaßen.

Ich will diesen Rekord! Und ich will eine Marke vorlegen die ein Ausrufezeichen in der Ultra-Szene ist!

 

Weiter geht`s. Groß Gerungs, Schweiggers usw. Alles schöne Gegenden und Orte. Rauf und runter. Flachstücke sind immer nur die paar Meter an einem Kulminations- oder Tiefpunkt.
Selbst leichter Regen und nasse Straßen können mich nicht daran hindern voll auf Zug – im Flow zu sein. Und als der störende Gegen- und Seitenwind gegen Abend abflaut, sehe ich nach einer abschließenden Rosa-Luft-Session sogar die Chance eine Zeit unter 13 Stunden zu erreichen. Geil, einen 12er vorne stehen zu haben. Das lässt die letzten Kräfte mobilisieren.

 

In einer traumhaft schönen Abendstimmung erreichen wir die Grenze, das Ziel – geschafft – 12:51 – mir fehlen die Worte. Nur Umarmungen.

 

Ich wünsche mir, dass der Rekord lebt. D.h. dass er angegriffen wird.

Traut euch – viel Erfolg!

 

Fotos

Film von Dominik Grüner - Prädikat: Sehenswert!

 

 

btw:
Mein Knie ist schon wieder in Ordnung - völlig schmerzfrei.

Nach einer ausgiebigen Erholung beginnt die Vorbereitung für die weiteren Ziele 2016 - stay tuned ...

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